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Bruckner: Die Symphonien Bruckners

Anton Bruckner schrieb 11 Symphonien. Viele liegen in mehreren Fassungen vor, die hier nur die wesentlichen Versionen nennen. Der Unterabschnitt "Fassungen" geht detaillierter auf die Fassungen ein.

00. Symphonie (Studiensymphonie)

Von Bruckner verworfen, aber nicht eliminiert. Das Werk ist attraktiv, hat aber noch wenig mit dem typischen Bruckner-"Ton" zu tun.

Eine Fassung (Originalfassung)
Empfehlenswerte Aufnahmen: Tintner (Naxos), Inbal (Teldec)

0. Symphonie

Auch die "nullte" Symphonie wurde von Bruckner verworfen. Sie weist bereits Bruckner-typische Stilelemente auf und ist insgesamt wertvoll.

Ein Fassung (Originalfassung)
Empfehlenswerte Aufnahmen: Barenboim (DGG), Tintner (Naxos), Inbal (Teldec)

1. Symphonie

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Und auch das Finale ist wunderbar.

Zwei Fassungen
Empfehlenswerte Aufnahmen: Linzer Fassung Barenboim (DGG), Tintner (Naxos), Wiener Fassung Chailly (Decca), Wand (EMI)

2. Symphonie

Wunderbare harmonische und melodiöse Symphonie, bei der Bruckner verschiedene musikalische Blöcke (Abschnitte) durch Generalpausen trennte. Dies war in der Symphonik bis dahin unbekannt, bzw. selten eingesetzt. So wurde der damals abschätzige Titel "Pausensymphonie" geprägt und es entstand die noch immer diskutierte Meinung, Bruckner übertrüge seine Orgelvirtuosität und -vorstellungen quasi auf's Orchester. Heute hat man dazu, richtigerweise, eine korrigierte Meinung.

Zwei Fassungen
Empfehlenswerte Aufnahmen - 1. Fassung Eichhorn (Camerata), Tintner (Naxos) 2. Fassung Karajan (DGG), Inbal (Teldec)

3. Symphonie

Diese Symphonie ist Richard Wagner gewidmet, was den irrigen Ruf begründete, Bruckner sei eine Art "symphonischer Wagner". In der ersten Fassung verwendete Bruckner zwar üppig Wagnerzitate, diese prägen aber nicht das Werk, dass ansonsten in der Tektonik, Melodieführung, Harmonik und Klang/Instrumentierung eigenständig und wunderschön ist.

Drei Fassungen
Empfehlenswerte Aufnahmen: Originalfassung Tintner (Naxos), Inbal (Teldec), Norrington (Virgin), 2. Fassung Harnoncourt (Teldec), 3. Fassung Wand (RCA), Celibidache (EMI)

4. Symphonie

Die Vierte ist, nach der Siebenten, die populärste Symphonie Bruckners. Dies dürfte wohl u.a. auch dem Titel "Die Romantische" geschuldet sein (obwohl der Romantik-Begriff im 19.Jh, ein etwas anderer war -nämlich naturaffin-, als das "schnulzige" Verständnis, mit dem man heute Musik als romantisch bezeichnen würde).
Markant ist das Eröffnungsthema der Symphonie, dass von den Hörnern vorgestellt wird.
Bruckner verwendet auch seinen typischen "Bruckner-Rythmus": Einem Rythmusmotiv aus zwei geraden Noten und einer folgenden Triole.
Wunderbar ist die Interpretation Karajans (erschienen bei DGG und EMI), der in der Exposition des Kopfsatzes eine Wendung aus der 1888er Fassung verwendet (die fast den Höhepunkt der Symphonie setzt...).
Ansonsten überragt aber die Celibidache-Aufnahme (bei EMI) alle anderen Interpretationen, da diese nicht nur ausgewogene Tempi verwendet und klangherrlich gespielt wird, sondern vor allem wegen einer atemberaubenden Coda im Finale. Hiernach ist nichts mehr zu wollen...
Die üblichen Verdächtigen Bruckner-Dirigenten (Wand, Jochum, etc) sind aber gleichwohl empfehlenswert.

Zwei Fassungen
Empfehlenswerte Aufnahmen: Originalfassung Tintner (Naxos), Inbal (Teldec), 2. Fassung 1878/80 Celibidache (EMI), Karajan (EMI, DGG), Barenboim (DGG),

5. Symphonie

Ein recht strenges, "akademisches" Werk, das viele Bruckner-Anhänger wegen dessen Formkunst mögen.
Da es für die übrigen Klassikhörer schwer zugänglich ist, ist die Fünfte weniger populär.

Eine Fassung (Orginalfassung)
Empfehlenswerte Aufnahmen: Barenboim (DGG), Tintner (Naxos), Inbal (Teldec)

6. Symphonie

Die Sechste steht etwas im Schatten anderer Symphonien. Warum? Ist nicht erklärbar! Vielleicht, weil sie Bruckner untypisch ohne "Urnebel" beginnt...?
In jedem Fall ist sie ein glänzendes Werk voller herrlicher Wendungen und starker Motive.

Eine Fassung (Orginalfassung)
Empfehlenswerte Aufnahmen: Wand (RCA), Jochum (EMI), Rögner (Audio), Tintner (Naxos), Inbal (Teldec), Celibidache (EMI)

7. Symphonie

Diese Symphonie brachte den internationalen Durchbruch für Anton Bruckner. Obgleich die Symphonie nicht Bruckner-atypisch ist (was den immensen Erfolg erklären könnte - denn Bruckner ist sicher keine Populärmusik der Klassik, weil sie architektonisch kompliziert und groß aufgebaut ist), ist sie von einer besonders "angenehmen" Melodik und mit besonders vielen "schönen" Stellen ausgestattet.
Insbesondere die "unendliche" Melodie (Erstes Thema) des Kopfsatzes gehört zu den schönsten Melodien, die jemals erdacht wurden.
Im Adagio findet man eine bewegende Trauermusik für Richard Wagner und der Satz ist insgesamt von üppigem Wohlklang genährt.
Die beiden folgenden Sätze (Scherzo und Finale) sind recht "kurz", was bei Kritikern oft als unausgewogen angeprangert wird. Eine seltsame Auffassung. Das Finale beinnhaltet eine einnehmende Kontrabass-Szene, die in dieser Form und Ausgestaltung einzigartig ist.
Ich persönlich kam durch diese Symphonie zu Bruckners Musik und halte das Intro mit der berümten unendlichen Melodie des Cellos noch heute für die eindruckvollste bewegenste Melodie im symphonischen Kanons.

Eine Fassung (Originalfassung)
Empfehlenswerte Aufnahmen: Celibidache (EMI), Karajan (EMI, DGG), Barenboim (DGG), Tintner (Naxos), Inbal (Teldec), Solti (Decca)

8. Symphonie

Die Achte ist ein grandioses, kraftvolles Werk. Sie ist von schroffen Kontrasten (brachiale Tutti und zärtlichste Passagen) gekennzeichnet.
Das Adagio, bei dem Bruckner erstmals und einzig eine Harfe einsetzte, kann man als "sehnsüchtiges Liebeslied" verstehen. Strahlend und impulsiv ist dann das Finale, dass von der Wirkung her sehr viel Einfluss auf die Filmkomponisten des 21 Jh. gehabt haben dürfte (John Williams, Star wars, etc).

Zwei Fassungen
Empfehlenswerte Aufnahmen: 1. Fassung Tintner (Naxos), Inbal (Teldec) 2. Fassung Harnoncourt (RCA), Celibidache (EMI), Karajan (EMI, DGG), Barenboim (DGG)

9. Symphonie

Die neunte Symphonie dürfte - nach Beethovens 9. Symphonie - die wohl beeindruckendste Symphonie des (gesamten) "symphonischen Kanons" sein.

Die Neunte ist ein außerordentlich spirituelles Werk und weist in gewisser Hinsicht einen außermusikalischen Inhalt auf: Das Leben und der Tod.

Die Symphonie blieb vermutlich unvollendet, es gibt aber etliche Fragmente und wesentliche Teile, die komplett fertig sind - eine Rekonstruktion ist daher sinnvoll und wurde erfolgreich durchgeführt.
Bruckner selbst hatte verfügt, dass für den Fall seines verfrühten Ablebens das "Te Deum", (ein beeindruckendes Chorwerk) als Finalsatz aufgeführt wird. Bruckner selbst verwendete Motive des Te Deums im Finalsatz auf. Insofern passt das Te Deum auch als "5. Satz" des Neunten Symphonie (siehe Unterabschnitt: "Interpretation").

Die Symphonie ist (mit dem rekonstruierten Finale) sowohl hinsichtlich der Taktanzahl als auch Aufführungsdauer die umfangreichste aller Brucknersymphonien und auch sämtlicher Symphonien überhaupt (wenn man von etwaigen "Exoten" mal absieht).
Takte: Finale: 647
Aufführungsdauer (mittlere Tempi): 26 + 11 + 27 + 27 = 91 Minuten

Eine Fassung: Originalfassung
Finale-Fassungen:
Ein 4. Satz (Finale) wurde durch mehrere Komponisten erstellt. Die meisten sind quasi "Eigenkompositionen", die nur unwesentlich auf das vorhandene Material Bruckners zurückgreifen, z.B.: Von Einem, Fine, Marthe, Josephson, etc
Ein authentisches Finale wurde durch das Team "Samale, Phiips, Cohrs & Mazzuca" sowie Carragan angefertigt. Beide wurden bereits vielfach aufgeführt, wobei die SPCM-Fassung eine bereitere Zustimmung erfährt und sich wahrscheinlich durchsetzen wird.
Bruckner testamentarische Verfügung das Te Deum als Ersatzfinale aufzuführen wurden nur selten gefolgt. Auf CD erschien in dieser Kombination nur die Asahina Aufnahme in Japan. Man kann aber die IX. Symphonie mit dem Te Deum von Dirigenten und Orchester im gleichen Zyklus "kombinieren", was zu emphehlen ist.
Empfehlenswerte Aufnahmen (OHNE Finale): Wand (RCA)
Empfehlenswerte Aufnahmen (MIT Finale "SPCM"): Rattle (EMI), Tintner (Naxos), Inbal (Teldec), Layer (O), Bosch (Corvellio), Roshdestvensky (Melodia), Wildner (Sonarte), Eichhorn (Camerata)
Empfehlenswerte Aufnahmen (MIT Finale "Carragan"): Schaller (Hänssler)
Empfehlenswerte Aufnahmen (MIT "Te Deum"-Finale). Asahina (Canton), Barenboim (DGG), Celibidache (EMI), Jochum (DGG), Karajan (DGG).

 

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