Anschläge auf die Ohren. Hustenattacken durch Fundamentalisten.

Wann darf gehustet werden?

Es gibt so manche Regel im klassischen Konzertbetrieb, die als ungeschriebenes Gesetz stillschweigend beachtet wird. Zum Beispiel verbietet es sich gänzlich Körpergase explosionsartig ins Auditorium zu entlassen.

Doch viele „Regeln“ sind scheinbar -trotz aller nachvollziehbaren Klarheit- für viele unbekannt.
Da helfen auch keine (ernsthaften wie komischen) „Ratgeber“, wie die des Geigers Daniel Hope „Wann darf geklatscht werden?“.

Status Quo
Mittlerweile fast jeder Konzertbesuch durch eine Horde von Egoisten, Banausen, Vandalen und Hunnen vergällt:
Da finden sich "Musikliebhaber" in Konzertsäalen ein, nur um mehr oder weniger bewusst der Mehrheit den ungetrübten Spaß am Konzert zu vermiesen, indem sie anderen demonstrieren, dass jahreslanges Kettenrauchen vielleicht doch keine so gute Idee war...

Wenn ein Konzert beginnt…
Man kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass kurz nach dem Beginn eines Stückes die ersten Röchler anfangen, ihr schallendes Grunzkonzert als Parallelveranstaltung anzustimmen.

Dahingegen herrscht ehrfurchtsvolle Stille, wenn sich das Orchester nur kurz zuvor auf "A" einstimmt...
Selbst die Gelegenheit beim Einzug des Dirigenten, der meist unter lauten Applaus begrüßt wird, bleibt stets ungenutzt, um etwaige Hustenreize zu lösen.

Insbesondere wenn ein Satz im „Piano“ beginnt kann man sicher sein, dass dies instant mit einem „Fortissimo“-Schniefen übertönt oder zumindest begleitet wird.

Lautet eine Spielanweisung des Komponisten gar „Mit einem sanften Hauch“, kann man sogar darauf schwören, dass dies durch ein 'sforzato-Stuhl-umherrücken' harsch begleitet wird.

Mitunter wähnt man sich wie auf einem Kongress für Drogenhersteller und -konsumenten:
Kokainhersteller, Alkoholproduzenten und Zigaretten-Manufakturen.
Es wird geschnieft, geschluckt und gekeucht. Im Tutti. Und nie im Takt.

Fragen und Antworten
Sind das Leute, die Ihre Winterbronchialerkrankung im Auditorium auskurieren wollen?
Sind das Heavy-metal- und Technofreaks, die sich gegen Klassik auflehnen?
Sind das die Taliban, die nach Buddha-Statuen nunmehr Klanggemälde zerstören wollen?

VOR einem Konzert kann ein Jeder etwaige Katarre und Lungenbeläge minutenlang lösen! WÄHREND des Konzerts kann man aber einen Husten- oder Schnupf-Reiz schlicht unterdrücken oder wenigstens sanft lösen.

Man muss doch nicht alles, was einem gerade in Sinn kommt, zu Gehör bringen!
Wo bitte ist unsere so viel beschworene, abendländische Kultur?

Und warum bringen sich scheinbar Verschnupfte oder Nervöse sich nicht einfach ein Bonbon mit?
- Eine Salbei-Hustenpastille kostet nicht den Bruchteil einer Konzertkarte.
- Ein Spitzwegerichsaft kann man in Supermärkten rezeptfrei erstehen,
- Wasser ist in unseren Breitengraden ein Pfennigartikel.

Aber nein: Es wird losgeröhrt, was das Zeug hält, um sich in den Pausen noch mitleiderhaschend zu beklagen, welch' ein trockne (oder wahlweise: feuchte) Luft im Saale doch herrscht!

Schmerzensgeld
Man ist geneigt, Schadenersatz zu fordern!

Ich zahle -und oft nicht wenig-, um etwas Schönes zu hören.
Ich zahle nicht, um mir eine medizinische Demonstration von Atemphänomenen aufzeigen zu lassen!
Ich bin kein Mediziner. Ich bin Konzertbesucher.

Man sollte in der Tat darüber nachdenken, ob ich diese unerwünschten Kehl- und Kopfstimmen als Körperverletzung zur Anzeige gebracht und auf Wiedergutmachung geklagt werden sollte.

Es ist jedenfalls oft un-verschämt, so vielen Musikliebhabern den Genuss zu verderben, weil man offensichtlich nicht gewillt ist, selbst eine geeignete Vorsorge zu treffen (indem man beispielsweise die bereits oben genannten Bonbons, Hustenpastillen, Wasser, oder vielerlei andere Möglichkeiten in Handtaschen bevorratet, wenn man in einen Konzertsaal geht).

Man könnte sich aber wahlweise auch schlicht vor dem Saal von Juck- und anderen Reizen erleichtern.
Ooder bei offensichtlicher Krankheit schlicht dem Konzert fernbleiben. Auskurieren ist ein probateres Mittel, um sich besser zu fühlen. Besser jedenfalls als Konzerten beizuwohnen.

Für den Rest gilt: Lieber ein halbleerer Saal voll Zuhörer, als ganzvoll genervte Zuhörer!

Die "Pausen"-Symphonie von Anton Bruckner
Besonders drastisch sind Konzerterlebnisse, während Konzerte wie der 2. Symphonie Bruckners oder Parsifal Wagners:

Diese spezielle 2. Symphonie ist z.B. durch mehrere Generalpausen bekannt, deren Stillepassagen gerade in einem luftigen Konzertsaal herrlich nachklingt ("musizierende Stille").
Zudem enthält das Werk etliche „pp“-Passagen, also Abschnitte von höchst feiner Lautstärke, besser: auskomponierte Fast-Unhörbarkeit.

Was passiert dann regelmäßig (Leider ohne Regelbestätigende Ausnahmen...) ?
Die Pausen werden durch eine Vielzahl von Terror-Stühlerückern, Fundamental-Hustern, Schnupf-Islamisten und anderen Geräuscheproduzenten ausgefüllt. Zarte Solopassagen werden von übertönendem Lärm zersetzt.

Ich kann mir das nur dadurch erklären, dass manche Konzertbesucher etwas deutlich missverstanden haben, als sie an der Kasse ein Begleitheft erstanden haben:
Da es mehrere Fassungen Bruckners Symphonien gibt, fühlen sie sich offensichtlich aufgefordert, jeweils weitere eigene Partiturergänzungen durch individuelle Körperresonanzen zu ergänzen:
Bruckners II. Symphonie in der ergänzten Neu- Fassung von Klaus- Herbert Grunz und Hildegard Schupf (NA 2011)

Solche Konzerte bleiben durch diverse Röcheldarbietungen nur als Fassung des Jahres JJJJ a.D. in Erinnerung.

Weitere Fragen
Warum besuchen „Conans in Bürgertracht“ nicht stattdessen AC/DC Konzerte?
Dort können sie ZU JEDEM ZEITPUNKT röcheln, rocken und rumoren was das Zeug hält !!

Oder, wenn sie wirklich klassische Musik hören wollen: Warum beherrschen sich diese Schallbanausen nicht bis zu einem Cresendo oder „ff“-Tutti?
Aber nein: Zu einem jeden "c-moll Wohlklang" muss sich stets eine "Cis-Dur Röchel-Dissonanz" dazugesellen.

Ernsthaft: Wahrscheinlich wäre jeder Konzertbesucher bereit, einen finanziellen Aufschlag zu akzeptieren, wenn der Veranstalter im Gegenzug an jeden Gast ein Eukalyptus-Bonbon sowie eine kleine PET-Wasserflasche am Eingang aushändigt.
Denn jedem Veranstalter sollte klar sein, dass man keine neuen Klassik-Anhänger gewinnt, wenn man hier falsche „Toleranz“ walten lässt.

Philharmonisches Hustenkonzert
Wer zu dem Thema eine weniger boshafte Philippika lesen möchte und die Thematik von Konzertgrunzern in heiter-satirischer Form erlachen will, dem sei „Ephraim Kishons Satire „Philharmonisches Hustenkonzert“ " aus dem Buch „Wie unfair, David“ empfohlen.
Die Satire erschien vor fast 50 Jahren. Das Problem, so scheint es, gibt es schon lange und existiert weltweit.
Arme Welt. Betrogene Welt. Verlorene Welt.

... Nur bitte auch nicht alles allzu ernst nehmen

 

Gehe zu Seite "Philharmonisches Hustenkonzert"