Eine Interpretation der Neunten Symphonie Anton Bruckners
&
eine Aufführungsempfehlung an Veranstalter...

 

Anton Bruckners Neunte Sinfonie ist per se "absolute Musik", d.h. Ihre Tonsprache spricht für sich, es gibt keine expliziten außermusikalischen Inhalte
(wie etwa der ton-"malerischen " Moldau u.a. Werken der Romantik oder aber der Symphonie Nr. 6 von Beethoven - der "Pastoralen " - in denen Vögel, Gewitter und andere Stimmungen musikalisch dargestellt oder erzeugt werden)
.

Dennoch lässt Bruckners letztes Werk verschiedene (außermusikalische) Interpretationen zu, nicht zuletzt deshalb, weil Bruckner selbst den 3. Satz ("Adagio") als "Abschied vom Leben" bezeichnet hatte.

Und genau in diesem Sinne ist diese Symphonie als außerordentlich "spirituelles" Werk zu verstehen.

Religion hat weltumspannend für viele Menschen (insbesondere im Menschheits-bzw. kulturgeschichtlichen Altertum) einerseits die Funktion vorwissenschaftlicher Welterklärungsmodelle, zum anderen bieten Religionen aber Jenseitsvorstellung.

In diesem Sinne ist die IX. Symphonie Bruckner wohl tatsächlich eine "Programmsymphonie" mit dem Progamm "Religion: Dieseits und Jenseits".

Bemerkung zu "spirituell" und "religiös":
Anton Bruckner war, seiner Zeit und seinem Wirkungsort entsprechend, ein besonders gläubiger Mensch. Bruckners Religiösität kann man, aus heutiger Sicht, sicher als naiv und absolut bezeichnen. Was allein an der kuriosen Widmung der gesamten Symphonie "Dem lieben Gott" abzulesen ist - was man im Übrigen weniger als "vermessen" sondern vielmehr als außerordentlich "ergeben und devot" verstehen darf.
Bruckner war Christ, katholischer Richtung, aber seine -wie jede andere auch- Musik ist nicht per se "katholisch" oder "für Katholiken" zu verstehen. Sie ist auch nicht i.w.S. "christlich" (evangelisch, orthodox, etc) oder allgemeiner abrahamitisch-monotheistisch (also islamisch, jüdisch).
Musik ist über-religiös und kann die "Seele" eines Jeden ansprechen, der Ohren zum Hören hat:. Den fundamentalen Menoiten ebenso wie den Atheisten.
Lieben nicht japanische Buddisten den lutheranischen J.S. Bach?
Bewundern agnostisch-unreligöse Musikbegeisterte nicht auch orthodox-gläubige russische Meister?
Lieben nicht strikt-dogmatsiche Klerikale die Werke des Freigeists Beethoven?
Und geniessen esoterische Metrosexuelle nicht auch gregorianische Gesänge?

Die überlieferten Aussagen und Notationen Bruckners erlauben den Zugang zu einem Verständnis der Symphonie, dessen Bedeutung auch abseits der überwältigenden kompositorischen Meisterhand und den bedingunslos fulminat-schönen Klängen und Melodien zu sehen ist.

Meine folgende Interpretation gründet konsequent auf der von Bruckner gewollten 4-Sätzigkeit sowie den ergänzenden expliziten Anweisungen Bruckners vor seinem Tod und musikalischen Fährten".

Damit verwerfe ich gleichzeitig auch alle "konstruierten" Interpretationen, die die 3-Sätzigkeit des vollendeten Rumpfes heranziehen und damit Fakten nach eigenem Gutdünken verdrehen: Es gibt für eine 3-sätzige Interpretation keinen Anlass, jedenfalls nicht mehr, als wenn man beispielsweise auch Bruckners 7te mit dem Adagio enden läßt und behauptet, "Bruckner fühlte sich zu jener Zeit sehr krank und HÄTTE da ja sterben können - folglich schrieb seinen eigenen Trauermarsch als Abschied vom Leben".

Dies hat - wohlgemerkt! - nichts damit zu tun, dass man nicht auch die mitunter hervorragenden Aufnahmen und Konzerte eines Torsos nicht ergriffen hören kann!
Man kann. Ich kann.

Sicher ist, dass jede Interpretation subjektiv ist - und die hier folgende ist es insbesonders!
Aber sie ignoriert keine Fakten, um sich den Rumpf "schön- bzw. ideal" zu reden.

Die Struktur der Interpretation baut auf einem Pentagramm
(NB. Das Pentagramm soll ansonsten aber - bitte sehr, ...Danke! - nicht von 'Robert -Langdons' als Anlaß für eine rasante Autofahrt durch Linz, Wien, Bayreuth und London genommen werden)
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