Aufführungs-Ideal:

Gleichwohl es immens viele Möglichkeiten zur künstlerischen Gestaltung gibt, halte ich - auch gerade im Hinblick auf die vorgestellte Interpretation - gewisse 'Konditionen' für wichtig.

Da meine Interpretation mit quasi fünf Sätzen auch eminent lange dauert, ist auch eine signifikante Pause ziemlich unabdingbar, da schon jeder einzelne Satz eine hohe emotionale Konzentration abverlangt und erfordert.

Satz 1 sollte kraftvoll aber in stark gemäßigtem Tempo gespielt werden. 28 Minuten Aufführungsdauer müssen nicht zu lange sein.

Satz 2 sollte laut und resolut gespielt werden.
In den meisten Aufführungen wird der Satz zu verhalten in der Dynamik und/oder auch zu langsam gespielt (oder die anderen Sätze werden zu schnell dargeboten, was im Zweifel sogar mehr Schaden hinterläßt...).
Auch das Trio sollte m.E. zügig, aber nicht hastig gespielt werden.
Die Wiederholung des "Scherzos" (Kleine Anmerkung: Der Titel 'Scherzo' ist allein als Gattungsbegriff zu verstehen, denn mit einem musikalischen Scherz hat dieser 2. Satz nun wirklich nichts zu tun!) kann - obgleich keine anderen Akzentuierungen etc. vorgeschrieben sind - die Dramatik erhöhen, also noch prägnanter die Stakkati formulieren. Warum kein gefühltes "ffff"?

Der 3. Satz erfordert eine hohe 'transzendente' Spielkultur und tiefe "Traurigkeit" in der Intonation.
Die Disonanzen dürfen in diesem Sinne keinesfalls un-harmonisch, nicht zersetzend, sondern "angenehm schmerzend, aufwühlend" gespielt werden.
Die Legati erfordern eine breite Darstellung.
Die Coda muss hauchend ausklingen ('kraftlos' retardiernd).
Der Satz kann unendlich lang gespielt werden...

Der 4. Satz ist, als direkte Verbindung zum vorhergehenden Satz, nicht wesentlich anders zu spielen, auch wenn seine Aussage und Kraft z.T. erheblich prägnanter zu präsentieren sind.
Dennoch sollte auch hier ein eher verhaltenes Tempo angestimmt werden und Pausen zum Atmen genutzt werden (im übertragenen, ebenso wie im wortwörtlichen Sinne).

Das Te Deum soll kann/muss eine diametrale neue Stimmung verbreiten - eben als frischer, emphatischer Jubelgesang.
Aufgrund der Tonarten, aber auch, um eine entsprechende geistige Sammlung zu gewähren, sollte ein Intermezzo von einigen Minuten eingelegt werden, oder aber eine längerfristige Unterbrechung, gleichwohl diese die symphonisch-inhaltliche Anlage etwas auseinander reissen würde.

Die gesamte Aufführungsdauer der "Symphonie IX +" beträgt also idealerweise knapp 120 Minuten.

Bleibt die Frage der "Konservierung" eines solchen Konzertes...
Hier kann m.E. nur der Weg über eine Doppel-CD sein mit der Verteilung CD 1 Satz I und II und CD 2 mit Satz III und IV sowie dem Te Deum gehen.
Eine Verteilung nach dem Schema CD 1 mit den Sätzen I, II und III und mit dem "rekonstruierten" Satz IV und dem Te Deum auf der CD 2 - würde zwar dem traditionellen Weg entsprechen, wenn man lediglich den Torso aufführt - würde schädlich zu Lasten des Übergangs von Satz III zu Satz IV gehen.