Derivate / Finanzinnovationen
Eine lukullisch ausgewogene Lebensart (La Dolce Vita) ohne die Vorzuege der Italienischen Kueche geniessen? Schwierig aber machbar! Zu Anfang des 21. Jahrhunderts ein Leben ohne e-mail und Mobiltelefon fuehren? Sehr schwer vorstellbar! Ein modernes Finanzmanagement ohne den Einsatz innovativer Finanzderivate? Unmöglich!
Bedingt durch immer komplexere Produkt- und Anlagestrukturen an den internationalen Kapitalmärkten, sowie einer immer dynamischer werdenden Finanzwelt mit zunehmenden internationalen Interdependenzen, gibt es ein stetig wachsendes Interesse sich gegen potentielle Risiken abzusichern oder aber an Handelstrends in einem noch viel stärkeren Maße zu partizipieren.
In diesem Zusammenhang bietet der Einsatz von Finanzinnovationen eine erstklassige Moeglichkeit Risiken zu reduzieren, eigene Positionen in Basiswerten abzusichern oder aber aktiv Gewinnmargen zu maximieren, da Derivate durch eine entsprechende Hebelwirkung Gewinnpotentiale besser ausschöpfen können als die zu Grunde liegenden Referenzwerte. Es darf natürlich nicht unerwähnt bleiben, dass der Einsatz falscher Derivate oder die Spekulation in die „falsche Richtung“ – der Markt und entsprechende Preise entwickeln sich nicht in die gedachte Richtung – auch ein erhebliches Verlustpotential beinhalten, was bis hin zum Totalverlust der Anlage führen kann.
Die unglaubliche Komplexität vieler Finanzinnovationen und die immer weiter ausufernde Produktvielfalt führen vielfach zur Orientierungslosigkeit von Anlegern; Futures, Zinsphasenanleihen, Floating Rate Notes (FRN), Collared Floater, Koppelanleihen, Kuponswaps, sind nur einige zur Verfügung stehende Alternativen.
Andererseits birgt die immense Produkvielfalt aber auch den Vorteil, dass für jeden das geeignete Derivat verfügbar ist oder eine gegebenenfalls neue Struktur dem eigenen Gusto angepasst werden kann. Risikoscheue Anleger werden hier ebenso bedient wie spielfreudige Spekulanten. Für beide Anlagetypen ist es wichtig zunächst den eigenen Anlagehorizont zu bestimmen, um dann in einem zweiten Schritt den geeigneten Produktmix um die eigene Zielvorgabe herum zu konzipieren.
Derivative Finanzinstrumente leiten sich von den unterschiedlichsten Anlageformen an den Kassamärkten ab. In der Hauptsache geht es hiebei um Ableitungen von kurz- und langfristigen Zinsinstrumenten und Renten, Aktien und Aktienindizes, sowie Währungen.
Ein Derivat, das als solches schon lange nicht mehr erkannt wird, da es sich seit vielen Jahren in der Exportwirtschaft manifestiert hat, ist das Devisentermingeschäft. Es handelt sich hierbei um eine feste Vereinbarung zwischen zwei Parteien, eine Devisentransaktion zu einem fixierten Kurs mit einem späteren Datum als dem Kassavalutatag durchzuführen.
Ein Exporteur aus dem Euroraum schliesst heute einen Vertrag mit einem Abnehmer aus dem US-Raum ab. Die Transaktion, Zahlung bei Lieferung, soll jedoch erst in 6 Monaten abgewickelt werden. Die Faktorierungswährung ist USD. Dem Exporteur entsteht aus dieser Transaktion ein Waehrungsrisiko, da der Euro innerhalb des Zahlungsziels gegenüber dem USD aufwerten kann. Um dieses Risiko abzusichern kann nun ein Devisentermingeschaeft vereinbart werden, bei dem bereits jetzt der in 6 Monaten zum Tragen kommende Devisenkurs fixiert wird. Der Exporteur hat sich gegenueber Wechselkursrisiken abgesichert und Planungssicherheit gewonnen. Andererseits, entsteht ihm jedoch das Risiko potentieller Oportunitätskosten, da er jetzt nicht mehr an einer möglichen Euroschwäche partizipieren kann.

